Was tun wenn das Pferd sich erschreckt

Wenn Du ein Fluchttier wärst…

und wüsstest, dass Raubtiere Dich zum „fressen gern“ haben, wärst Du da nicht auch bei jedem unerwarteten Geräusch, Bewegung oder „seltsamen Gegenständen“ in größter Alarmbereitschaft? So wie wir auf das Erschrecken und die Angst unseres Pferdes reagieren, können wir es noch mehr verängstigen oder wir helfen ihm Vertrauen zu fassen und mit der Stress verursachenden Situation umgehen zu lernen.

Was sollten wir nicht tun – festhalten

Da uns ein ängstliches Pferd selbst Angst macht und wir nicht herunterfallen wollen, tendieren die meisten Menschen zu folgendem: Sie ziehen an den Zügeln, um das Pferd kontrollieren zu können und halten sich gleichzeitig an diesen fest. Genauso klammern sie mit den Beinen, um auch hier einen besseren Halt auf dem Pferd zu bekommen. Das ist das Schlimmste was man tun kann! Denn jetzt denkt das verängstigte Pferd auch noch, dass ein Löwe auf seinem Rücken sitzt und seine Krallen in es hinein bohrt! Es fühlt sich in einer Falle gefangen, festgehalten und es denkt, dass sein Leben dabei ist zu enden. In Todesangst wird es sich wehren. Es buckelt, steigt und geht durch.

Was sollten wir nicht tun – aggressiv werden

Oft werden Menschen auch aggressiv. Sie denken, das Pferd ist ein Idiot. Dabei werden sie laut und auch gewalttätig, um ihm „seine Sturheit“ auszutreiben. Da Pferde nicht schreien oder jaulen wie ein Hund, ist die Hemmschwelle des Menschen aufgehoben. Am Gebiss ziehen und rucken, die Sporen in den Rumpf stechen, Gerten -und Peitschenhiebe sind leider gern benutzte „Maßnahmen“ um einem ängstlichen oder gar panischen Pferd zu zeigen „wer hier der Boss ist!“  Wie soll es anders sein, das Pferd bekommt noch mehr Panik und den Beweis, dass der entsprechende Mensch tatsächlich ein ihn töten wollendes Raubtier ist.

Was sollten wir nicht tun – hinführen

Wir denken, wenn wir das Pferd an das Bedrohliche hinführen, dann zeigen wir ihm, dass das doch gar nicht gefährlich ist. Stell Dir vor, Du hast Angst vor einer Schlange am Boden oder vor Spinnen. Du stehst an einem Abhang oder vor einer Klippe. Vielleicht erschrecken Dich auch ganz andere Sachen. Ganz gleich, nun kommt eine Person und möchte Dich an diese Dinge hinführen, um Dir zu beweisen, dass Du da keine Angst zu haben brauchst. Du möchtest das aber nicht, da Du Herzklopfen und Schweißausbrüche bekommst. Doch die Person „meint es ja gut“ und wird jetzt nachdrücklicher. Wie würdest Du das finden?

Was tun wenn das Pferd sich erschreckt?

Was sollten wir tun – absteigen

Leider gibt es bei vielen Reitern den Spruch: „Steig niemals ab, sonst hat Dein Pferd gewonnen!“ Was ist denn das für ein absolut doofer Spruch! Das kann dann eventuell heißen: „Stirb lieber, anstatt Dein Pferd gewinnen zu lassen?“ Panische Pferde können lebensgefährlich werden! Also: absteigen. Dein Leben ist wichtiger als alles andere! Dein Pferd hat nicht gewonnen, wenn Du jetzt in der Lage bist, es am Boden mit den richtigen Übungen wieder unter Kontrolle zu bekommen. Das kann man mit gutem Horsemanship lernen.

Was sollten wir tun – Vorbereitung am Boden

Bereite Dein Pferd am Boden vor! Bilde es aus und lehre es, souverän mit Dingen, Geräuschen, Bewegungen und Veränderungen umzugehen. Am Boden ist es für Dich viel ungefährlicher als beim Reiten. Baue durch die 7-Horse(wo)man-Schritte Vertrauen und eine gute Beziehung auf. Dann füge verschiedenste Dinge, Geräusche und Bewegungen dem Training hinzu. Befestige Plastiktüten am Stick und lass Dein Pferd diesem folgen. Planen, große Bälle, verteile alles Mögliche auf dem Platz. Bewege diese Dinge von Deinem Pferd weg. Denn alles was vom Pferd weg geht, kann ihm nicht gefährlich werden. Bald fasst Dein Pferd Vertrauen und möchte an diesen Dingen schnuppern. Wiederhole immer wieder und sei kreativ! Klappt das gut, dann probiere es außerhalb des begrenzten Platzes. Sei sicher, dass Du die 7-Horse(wo)man-Schritte auch dort beherrschst.

Was sollten wir tun – beim Reiten

Das wichtigste beim Reiten ist, dass wir unser Pferd mit einem Zügel kontrollieren können! Ganz leicht und ohne Hektik. Deshalb sollte es ein absolut fester Bestandteil des Trainings sein, das Pferd regelmäßig mit Gefühl aus allen Gangarten stoppen zu können. Beim Biegen kann das Pferd weder buckeln noch davon laufen. Das Einzige was es tun kann, ist im Kreis zu gehen. Dies ist unangenehm für das Pferd und es kommt so auch vom reinen Reagieren in das Denken hinein und die Chance besteht, dass es wieder ruhig wird. Genauso haben wir die Möglichkeit schnell absteigen zu können. Unsere Ruhe zu bewahren ist extrem hilfreich. Sitze zentriert mit locker herabhängenden Beinen. Benütze Deinen einseitigen Zügen langsam und gleichzeitig bestimmt. Atme gleichmäßig tief ein und aus. Deine Ruhe bewirkt in der Regel auch ein ruhiger werdendes Pferd.

Was wird sich verändern?

Dies sind einige Tipps, was Du unbedingt vermeiden solltest und was geduldig zu Üben ist. Manche Pferde werden ihr Erschrecken sogar ganz aufhören. Andere werden weniger oft und mit geringerer Heftigkeit Angst haben. Es kann sein, dass Dein Pferd Dich anschaut, als ob es fragt: „Sollten wir hier ängstlich sein?“ Du bleibst gelassen und lächelst es an: „Nein, es ist nur ein Stumpf!“ und ihr geht daran vorbei und den gewünschten Weg weiter…

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Die Ungeduld des Menschen ist das größte Problem der Pferde!

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