Verbindung zum Pferd aufbauen

Wie ein 1000-teiliges Puzzle-Spiel richtig zu legen: so erscheint es uns oft – um eine tolle Verbindung zum Pferd aufbauen zu können! Wobei – es stimmt tatsächlich: wer eine verlässliche und harmonische Beziehung mit seinem tierischen Partner haben möchte, darf auf viele verschiedene „kleine Dinge“ achten. Schließlich geht es bei einem Puzzle ja auch nicht nur um das Hauptmotiv. Natürlich ist dies das Wichtigste und macht überhaupt das Bild aus. Doch ohne die Randbereiche, die vielen kleinen Teile drumherum, ist das Motiv unvollständig und unharmonisch. Ein so „fertiges“ Puzzle würde sich wohl kaum jemand in die Wohnung hängen! Genauso ist es mit der Verbundenheit mit unseren Pferden! Reiten mag für viele das Hauptmotiv sein, aber ohne die vielen „Puzzle-Stücke“ außen herum, richtig gelegt, haben wir bestenfalls eine „Reit-Arbeitsbeziehung“ zu unserem Pferd.

Wie kann ich eine tiefe Verbindung zum Pferd aufbauen?

Wir haben uns vor kurzem die Schwierigkeiten von Susanne mit ihrem Wallach Bodo angeschaut. Sie konnte ihn zuerst im Gelände – und dann auch in der Halle nicht mehr reiten. Zudem klappte das Longieren bald darauf auch nicht mehr. Er erschrak ständig und raste dann kopflos am Seil reißend über den Platz oder durch die Reithalle. Wegen diesen Problemen, die niemand zu lösen vermag… nahm sie dann schließlich mit mir Kontakt auf. Im letzten Artikel beschrieb ich, wie ich die erste Einheit mit den beiden begonnen hatte. Wie ich zuerst einmal Susanne zeigte, wie sie ihr Pferd besser „lesen“ und damit seine Bedürfnisse verstehen kann. Danach baute ich die erste zarte Verbindung mit dem schüchternen Bodo auf und der Erfolg ließ dann auch nicht lange auf sich warten…

Wie machte ich danach weiter?

Dieses „zarte Pflänzchen“ der Vertrautheit von dem lackschwarzen Warmblut zu mir galt es nun auszubauen. Der Wallach lief, wie schon beschrieben, zufrieden abschnaubend viele Kreise um mich. Das Pferd war frei, das Seil hatte Susanne ja schon zu Beginn unserer Session abgenommen. Dabei hatte er keine Angst mehr, auch durch die von ihm schon seit Wochen ausgemachte „Gruselecke“ entspannt durch zu traben. Inzwischen wurde Bodo langsamer und hielt in einer Ecke an. Doch anstatt, wie sonst üblich, mit dem Kopf in die Ecke schauend dazustehen – schaute er zur Mitte der Halle und ganz genau mich an! Das war für Susanne fast schon eine Sensation! Als er begann mich anzusehen drehte ich mich langsam von ihm weg. Jetzt ging der Wallach ein paar Schritte in meine Richtung. Seine Besitzerin war perplex und hatte so etwas noch nie erlebt.

Liberty im Round-Pen

Nun – wer schon einmal Liberty-Horsemanship oder Join-up erlebt hat, für den ist das nichts neues. Diese Übung wird gerne im Round-Pen gemacht, wo das Pferd keine andere Wahl hat, als um den Menschen herum zu flitzen. Gerade wenn dieser in der Mitte steht und das Pferd dabei mehr oder weniger antreibt. Doch stehe ich dieser oft praktizierten Vorgehensweise auch skeptisch gegenüber. Sie ist gut, wenn ein Pferd sehr wild oder aggressiv ist. Aber für die meisten Pferde finde ich dieses „Jagen“ total überzogen und überhaupt nicht für nötig. Im Gegenteil – wenn dies zu lange von statten geht und zu oft wiederholt wird fühlt sich das Pferd mit dieser Methode sogar ausgeliefert und unterdrückt.

Bei Bodo wendete ich dies mit Gefühl an

Im Fall des Wallaches allerdings brachte es auf jeden Fall das gewünschte Resultat. Ich habe ihn ja nicht getrieben. Genauso – alles was er vorher und jetzt machte, als er sich mir näherte war „freiwillig“ aus seinem eigenen Entschluss heraus entstanden! Er spürte bei der ganzen Sache einfach keinen Druck und konnte so selbst entscheiden. Da ich ihn beim Laufen spiegelte wurden wir immer mehr „Eins“ und so wollte er die Verbindung mit mir auch beim Hinstehen beibehalten. Diese Strategie des „Spiegeln“ ist so effizient, da zuerst der Mensch sich dem Pferd anpasst und dann das Pferd sich bemüht – sich seinem Menschen anzupassen. Ja, wie heißt es so schön: „Gleich und Gleich gesellt sich gerne!“ Sei mit deinem Pferd – und es möchte gerne mit dir sein!

Jetzt kam das Wohlfühl-Programm

Nun näherte ich mich langsam Bodo. Schritt für Schritt mit gesenktem Blick und sehr fließenden Bewegungen. Denn Pferde hassen Hektik. Diese bedeutet für sie immer Stress – es könnten Raubtiere in der Nähe sein! Tief durchatmend berührte ich ihn am Widerrist. Dabei zuckte er und dies zeigte mir, dass er Berührung an dieser Stelle nicht mochte. Doch ich ließ nicht locker: ich wartete bis er mit den Zuckungen aufhörte und dann erst nahm ich meine Hand wieder von seinem Körper. Dann wiederholte ich das Ganze und jedenfalls bewegte er seine Muskeln weiterhin mit zuckenden Bewegungen. Jedes Mal wartete ich bis er aufhörte und nahm dann meine Hand von seinem Fell. Nach ca. zehn Wiederholungen schließlich hörte er damit auf. So begann ich ihn zart zu Streicheln. Zuerst an Widerist und Hals und dann über seinen gesamten Rücken. Ich nahm „mein Herz in meine Hand“ und berührte ihn damit voller Liebe. So konnte ich eine einfühlsame Verbindung zum Pferd aufbauen.

Hast du das schon einmal gemacht?

Ich fing an den Wallach immer intensiver zu streicheln. Danach nahm ich sogar meine beiden Hände und strich an seinen Beinen entlang nach unten und massierte seine Fesseln und den Kronrand. Hier geschah dann das, was meine Pferde auch immer tun, wenn ich ihnen dieses Wohlfühl-Programm zukommen lasse. Der anfangs skeptische Blick hatte sich ja schon bald in einen entspannten gewandelt. Solange ich seine Fesseln bearbeitete streckte er den Hals nach vorne und zog genüsslich seine Lippen lang! Es folgte ein tiefes Abschnauben und das Pferd war glücklich… Ich fragte Susanne: „Hast du das schon einmal gemacht?“ „Nein“ antwortete sie und fügte an: „Vielleicht sollte ich das auch tun!“ „Ja – genauso ist es – mache dies – dein Pferd ist doch dein Freund“ entgegnete ich. Als ich die Massage-Einheit beendete und zur Mitte der Halle ging um den Strick zu holen lief Bodo einfach frei neben mir dorthin – so als ob er noch nie etwas anderes gemacht hätte!

Die erste Einheit war ein voller Erfolg!

Anstatt dem Pferd irgendeine „Methode“ aufzuzwingen oder mit Druck irgendetwas bewirken zu wollen – dem „sturen“ Pferd zu zeigen „Wer hier der Boss ist!“ – habe ich mich in den Wallach hinein gefühlt und ihm das gegeben, was er an diesem Tag brauchte. So konnte er locker werden und meine Führung der „sanften Konsequenz“ annehmen. Susanne und ich haben so ein paar Puzzle-Teile am Rand des Spieles gelegt um so das Hauptmotiv in der Mitte in Zukunft zum Leuchten bringen zu können.

Wie kannst auch du eine tolle Verbindung zum Pferd aufbauen? Ich zeige es dir gerne >>hier<<

 

 

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