Pferd-Mensch-Beziehung

Was vereint uns Menschen mit den Pferden? Nachdem wir vor kurzem die Unterschiede unter die Lupe genommen haben, wollen wir in diesem Beitrag die Gemeinsamkeiten anschauen. Denn, wie kann es möglich sein, dass sich ein Fluchttier mit einem Raubtier (Primat) verbindet und was ist die Grundlage für großartige Harmonie in der von Natur aus ungewöhnlichen Pferd-Mensch-Beziehung?

 

Pferde in der Herde

Ein Beutetier wie das Pferd möchte eigentlich mit einem genetisch fleischfressenden Wesen, wie dem Menschen, nichts zu tun haben wollen. Betrachten wir Pferde in der Herde auf großen Gras reichen Koppeln, dann sind diese sehr zufrieden und seien wir einmal ehrlich – dann brauchen sie auch keinen Menschen! Die Herde hat eine feste Struktur, in der jedes Pferd seinen Rang und seine Rolle hat. Da ist das Leitpferd, das die Führung und damit die Verantwortung übernimmt. Zudem gibt es den „Quatschkopf“, der gerne aktiv ist und die anderen zum Spiel auffordert. Im Gegensatz dazu mag der „Gemütliche“ am liebsten Fressen und in Ruhe dösen. Dennoch liebt dieser auch die gegenseitige Fellpflege, die er auch mit seinem besten Kumpel ausübt. Weiterhin fallen manche Pferde durch besonders hohe Aufmerksamkeit zur Umgebung auf und laufen bei jeder äußeren Stimulanz davon. Schließlich sind manche Herdenmitglieder eher unauffällig und „verschwinden“ optisch durch ihre Zurückhaltung. Schau dir zur Vertiefung auch die Aufgaben in der Pferdesprache-Fibel an.

 

Gemeinsamkeiten der Pferd-Mensch-Beziehung

Aufgrund dieser Beobachtungen kommen wir zu der Grundlage, warum es einem Fluchttier und einem Raubtier (Primat) möglich ist, eine tiefe Verbindung miteinander aufbauen zu können! Wir Menschen leben ja auch in Gruppen. In unserem Zusammensein gibt es auch hierarchische Verhältnisse und es gibt den „Quatschkopf“, den „Couch-Potato“, den „Zielstrebigen“ und den „Zurückhaltenden“…:) Das bedeutet: Mensch und Pferd sind zu sozialen Interaktionen und Kommunikation fähig – und brauchen das auch, um gesund und glücklich zu sein. Es ist also die Fähigkeit mitteilende Kontakte zu knüpfen und das über die arteigene Spezies hinaus, die diese Freundschaften zwischen so verschiedenen Lebewesen ermöglicht. Bedenke: welches Fluchttier sonst ist in der Lage eine solch enge Beziehung mit uns eingehen zu können, sich gehorsam reiten zu lassen, trotz solch einer Stärke und Temperament. Ich empfinde da großen Dank für unsere Pferde!

 

Was läuft oft falsch in der Pferd-Mensch-Beziehung?

Da wir Zweibeiner oft genaue Vorstellungen davon haben, was wir mit unserem vierbeiniger Freund vorhaben, wenig Zeit mitbringen und möchten, dass alles klappt, nehmen wir nicht immer Rücksicht auf die momentanen Bedürfnisse von unserem Partner. An der Körpersprache lässt sich die Befindlichkeit deines Pferdes sehr gut ablesen. Doch leider wird hiervon in den meisten Reitschulen- und Ausbildungen wenig gelehrt. Deshalb wird meistens davon ausgegangen, dass das Tier uns versteht. In Wirklichkeit tut es das aber nicht immer. Darum ergeben sich Stressreaktionen, die allerlei Unarten entwickeln können. Grundsätzlich kann man sagen, sobald das Pferd nicht das macht was wir uns wünschen, versteht es uns nicht! Es hat gelernt, dass es mit diesem oder jenem Verhalten „seine Pause und damit Ruhe bekommt“. Konkret: das Pferd bekam wahrscheinlich wiederholt im falschen Moment seine Belohnung!

 

Beispiele für „wenn das Pferd uns nicht versteht“

Hier liste ich ein paar Dinge auf, die zeigen, was alles passieren kann, wenn unsere Partner uns nicht verstehen, beispielsweise:

  • Beim Anbinden am Seil ziehen und dabei das Halfter zerreisen = das Pferd macht Druck und bekommt die Belohnung nachdem das Halfter kaputt ist, da es jetzt nicht mehr zieht (genauso mit Panikhaken)
  • Zwicken beim Putzen. Machen gerne freche Pferde. Damit zeigen sie ihre Dominanz. Da der Pfleger jetzt ausweicht oder den Kopf weg schiebt, doch das Tier gleich wieder mit dem Maul da ist, sieht es das als Spiel. Wenn sich der Mensch jetzt auch noch ärgert und laut wird, empfindet das Pferd dies nun als „gewonnenes Spiel“ und fühlt sich somit seinem Gegenüber entsprechend ranghöher.
  • Führen am kurzen Seil. Lebhafte Pferde werden gerne mit wenig Seil oder direkt am Haken geführt. Da Pferde klaustrophobisch sind bekommen sie jetzt erst recht Panik, da sie sich als Fluchttiere festgehalten fühlen und so noch viel unkontrollierter werden können.
  • Dagegen kommen andere Pferde beim Führen nicht richtig mit. Sie stocken oder bleiben einfach stehen. Diesen wird dann Ungehorsam unterstellt. In Wahrheit ist es ein Mangel an Vertrauen, da es ihnen einfach zu schnell geht und sie als genetische Beutetiere mehr Zeit zur Verarbeitung der neuen Situation brauchen, auch wenn sie schon „100 Mal“ diese Strecke gegangen sind.

 

Wie erreiche ich eine gute Mensch-Pferd-Beziehung?

Eigentlich ist es ganz einfach. Wir in der Horsemanship Academy haben unser ganzes Ausbildungsprogramm hierauf aufgebaut:

Werde aufmerksam deinem Pferd gegenüber und versuche es immer besser zu verstehen. Anhand seiner Körpersprache, ja lerne, es richtiggehend zu lesen. Beobachte seine einzelnen Körperteile, seinen Gesichtsausdruck und dann alles zusammen im Kontext. In der Körpersprache-Fibel findest du hierzu eine Anleitung. Verstehen wir jetzt, was uns unser Pferd mitteilen möchte, es kann ja nicht reden, sondern es „spricht“ mit seinem Körper, erst dann können wir auch entsprechend „antworten“. Haben wir unsere eigene Körpersprache im Griff, das heißt, eine klare Koordination entwickelt, ist das Pferd fähig uns eindeutig auch zu verstehen. Da Pferde so gutmütige Tiere sind, möchten sie uns „gefallen“ und können endlich mit Eifer das tun, was wir uns schon so lange von ihnen gewünscht haben. Kommunikation ist der Schlüssel für Harmonie und Verbundenheit. Das Pferde dazu in der Lage sind zeigen sie uns in ihrem perfekten Verhalten in der Herde.

 

Die 7-Schlüssel-der-Pferdesprache

Es gibt grundsätzlich nur 7 Elemente, die es zu wissen gibt, um mit Pferden sehr gut zurecht zu kommen. Jeder ist dabei unentbehrlich. Ich vergleiche es gerne mit einer Schatztruhe mit 7 unterschiedlichen Schlössern. Für jedes Schloss benötigt man einen speziellen Schlüssel, nur dann lässt sich der Tresor öffnen. Hat man nur 6 Öffner, hakt es und der Schatz bleibt verschlossen. Kennt man alle 7, so öffnet sich die Truhe und es kommt ein wahrer Schatz (Pferdeseele) hervor, einer, der sehr groß ist und es entsteht die wahre Herz-Verbundenheit, die sich so viele Pferdefreunde wünschen. Im „Pferde-Kompetenz-Practitioner“ Kurs lernen die Teilnehmer diese 7 Schlüssel kennen und anwenden. Zum „Reinschnuppern“ veranstalten wir an verschiedenen Standorten 1-Tages-Kurse, die einen Einblick mit ersten Übungen für die Interessierten anbieten.

Lerne dein Pferd zu verstehen – baue eine gemeinsame Kommunikation auf – dann wird auch dein Pferd dich verstehen.

 

 

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Pferdesprache Guide - Was Körpersprache und Verhalten verraten
Mit dieser Anmeldung bekommst du gelegentlich weitere tolle Tipps für den empathischen Umgang.

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