Die Verantwortungen des Pferdes

Was ist denn das?

Pferde haben Verantwortungen? Ich glaube, dass sich nur sehr wenige Reiter jemals darüber Gedanken gemacht haben. Wenn Pferde Verantwortungen haben, was soll das denn sein? Ist es vielleicht so, dass Pferde nun mal zum Reiten da sind und sie sich gefälligst auch richtig benehmen sollen? Schließlich zahlen wir ja jeden Monat für Stall, Futter, Hufpflege, Tierarzt usw. Dazu kommt noch der Beritt und die Reitstunden. Das alles summiert sich zu einem ordentlichen Betrag und da möchten die Besitzer schon, dass das Pferd dies anerkennt und seine Verantwortung übernimmt und funktioniert!

Die Verantwortungen des Pferdes sind allerdings ganz anders!

Doch leider versteht das im oberen Absatz geschriebene kein einziges Pferd. Dies ist menschliches Denken! Pferde können nicht menschlich denken. Pferde denken „pferdisch“! Also müssen wir uns wieder auf die Denkebene des Pferdes zu bewegen, um sie zu begreifen. Damit machen wir ihnen das Lernen mit uns so einfach wie möglich. Pferde möchten es gerne bequem haben. Wie im letzten Artikel beschrieben, können wir unsere Pferde mit Neutralität belohnen. Dies bedeutet nichts anderes, als dass wir sie in Ruhe lassen, wenn sie ihre Aufgabe richtig ausführen. Anders ausgedrückt, setzen wir jegliche Hilfen aus. Kein Mitgehen und Treiben mit der Peitsche beim Longieren. Genauso kein „Gefuchtele“ mit der Gerte bei der Bodenarbeit. Beim Reiten kein „Spielen mit dem Gebiss“ und ebenfalls kein ständiges Treiben mit den Beinen. Was sind nun die Verantwortungen des Pferdes?

Was für Verantwortungen können wir nun unseren Pferden geben?

Die erste und wichtigste Verantwortung ist, dass das Fluchttier Pferd die Überlebensinstinkte Flucht und Kampf weitest gehend ablegt. Solange die Angst gegenüber dem „Raubtier Mensch“ zu groß ist, wird es niemals eine harmonische Partnerschaft zwischen beiden geben. In einer guten Ausbildung lernt das Pferd respektvolles Vertrauen zu seinem Menschen zu bekommen. Dazu gehört auch der angstfreie Umgang mit „unheimlichen“ Gegenständen und Situationen. Wird dies alles kontinuierlich aufgebaut, kann das Pferd seinen Teil der Partnerschaft besser übernehmen und seine Fluchttier Reflexe werden immer mehr verschwinden.

Die Verantwortung dafür, wie es sich richtig bewegt!

Dementsprechend soll es in der ausgewählten Gangart bleiben, die vorgeschlagene Richtung einhalten und schauen wohin es tritt. Viele Reiter korrigieren ständig ihr Pferd und geben ihm deshalb gar nicht die Gelegenheit, all die beschriebenen Dinge einhalten zu lernen. Dadurch fehlt das Aussetzen der Hilfen und damit die Neutralität. Doch genau wie bei uns Menschen, lernen Pferde durch Fehler. Verhindert man Fehler, lernt man nichts!  Erst wenn dieser gemacht wird und danach erst korrigiert wird, lernen Pferde und auch Menschen! Oft werden die Tiere, je nach Typ, ständig getrieben oder zurück gehalten. Bei Hindernissen wird ihnen „geholfen“ drüber oder durch zu kommen. In der Natur allerdings kommt ein Pferd selbständig über ein Hindernis oder findet ganz alleine den besten Weg über schlammige Böden und Eis.

Wie bringe ich meinem Pferd diese Verantwortungen bei?

Zuerst einmal müssen wir Menschen lernen, uns und unseren Pferden zu vertrauen! Das ist gar nicht so einfach, denn dabei schleichen sich gerne negative Emotionen ein, wie beispielsweise Zweifel: „Ob das wirklich funktioniert?“ Vielleicht auch Ärger: „Jetzt macht der schon wieder etwas anderes!“ Manchmal sogar Wut: „Es reicht, dem zeig ich’s gleich!“ Oder Frustration: „Bei mir klappt das nicht!“ Mit einem guten Ausbilder und der eigenen Beharrlichkeit kommt man jedoch mit der Zeit über diese hinderlichen Emotionen immer besser hinweg.

Die richtige Technik

Nehmen wir einmal an, wir wollen unser Pferd in einem energiereichen Trab um uns herum laufen lassen. Wir bringen unser Pferd in den Trab und lassen es dann in Ruhe, indem wir neutral werden. Das heißt, wir drehen uns nicht mit und treiben auch nicht mit der Peitsche. Daraufhin fällt das Pferd in den Schritt oder hält gar an. Wir lassen es den Fehler machen und erst dann setzten wir unsere Hilfen wieder ein und starten das Pferd erneut! Beim Erreichen der gewünschten Gangart und Tempos darf das Pferd wieder ungestört seinen Job tun. Dies wiederholen wir solange, bis das Pferd die Aufgabe verstanden hat. Führt es diese gut aus, dann geben wir unserem Partner eine verdiente Pause.

Die 3-Stufen-Technik

Ich habe im Laufe meiner langjährigen Tätigkeit als Ausbilderin eine Strategie entwickelt, die diesen beschriebenen Prozess vereinfacht und zugleich beschleunigt. Ich habe sie die 3-Stufen-Technik genannt. Diese Technik reduziert und beseitigt die negativen Emotionen der Menschen und führt sie dadurch zum Erfolg. Die Pferde lernen ihre vorher genannten Verantwortungen zu übernehmen. Sie halten ihre Gangart, Richtung und schauen auf den Weg. Gleichzeitig wird die Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd auf ein neues harmonischeres Level gebracht.

Die Verantwortungen des Menschen

Geben wir unserem Pferd eine Aufgabe, kann es diese ohne ständiges „Erinnern“ erledigen. Dies geht nur, wenn wir ihm die Chance geben, seine Verantwortlichkeiten einhalten zu dürfen. Wir machen unseren Partner zu einem mitdenkenden Teil in unserer Beziehung und – die Pferde lieben das! Doch nicht nur unsere Pferde haben Verantwortungen. Auch wir Menschen haben verschiedene Verantwortungen gegenüber unseren Pferden. Wie diese Aussehen und was dabei zu beachten ist, darüber schreibe ich im nächsten Beitrag.

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